also immer noch recht häufig und bei starken Sonnenstürmen mit etwas Glück sogar bis in unsere Breiten hin sichtbar, zumindest aber fotografierbar. Und hier möchte ich gleich einmal mit einem Irrglauben oder besser gesagt einer Fehlinformation aufräumen, die fast jedesmal durch die Presse geht, wenn wieder einmal Polarlichter
in Deutschland fotografiert wurden. Die Überschriften in fast allen Tageszeitungen sind dabei recht ähnlich, so in etwa wie "Wer gestern Nacht Richtung Norden geschaut hat, konnte ein ganz besonderes Himmelsspektakel beobachten". Dies suggeriert, dass die Polarlichter
in all Ihrer Farbenpracht mit bloßem Auge sichtbar gewesen wären. Dies sind sie in unseren Breiten aber nur sehr selten, meist sind sie gar nicht zu sehen oder nur mehr zu erahnen als leicht erhellter Nordhorizont oder aber wie ganz schwache Lichtstrahlen vom Nordhorizont noch oben austeigend. Zudem sind die Farben hier bei uns nur bei sehr starken Sonnenstürmen wirklich zu sehen, und niemals so stark, wie auf den auf den Bildern, welche die Zeitungsartikel oft zieren.
Sehr schwache Polarlichter
vom 2.9.2025 fotografiert mit der Sony A6700
(APS-C
) und dem Sigma 14mm f1.4 DG DN bei einer Blende
von f1.4, einer Empfindlichkeit von ISO1600 und 2 Sekunden Belichtungszeit
. Mit bloßem Auge war hier nichts zu sehen, selbst der Beamer hat sich nicht merklich vom Himmel abgesetzt. Solche Polarlichter
, welche nur mit der Kamera sichtbar sind, nennt man als fotografische Polarlichter
. Sie sind in unseren Breiten gar nicht mal so selten.
meist nicht sonderlich hell. Zudem kann das menschliche Auge in der dunklen Nacht Farben nur sehr schwer wahrnehmen. Daher rührt auch das Sprichwort "Nachts sind alle Katzen grau". Schwache Polarlichter
in unseren Breiten nimmt man - wenn überhaupt - also eher als hellere und weniger als bunte Bereiche am Nachthimmel wahr. Es gibt natürlich Ausnahmen. Bei besonders starken Sonnenstürmen wie beispielsweise am 10. Mai 2024, am 11. Oktober 2024 oder aber auch vor kurzem erst am 19. Januar 2026 waren die Polarlichter
auch über Deutschland gut visuell sichtbar (trotzdem natürlich nicht so extrem farbig, wie auf den Fotos, welche man überall sieht).
Zeitraffer der Polarlichter
vom 19.01.2026 aufgenommen mit der Sony A6700
bei einer Brennweite von 14mm und einer Belichtungszeit
von 1,6 Sekunden.
in unseren Breiten vielleicht mit dem bloßem Auge nicht so spektakulär aussehen wie in Höhe des Polarkreises, so zeigen sie sich zumindest auf Fotos in ihrer vollen Farbenpracht, denn Kameras können im Gegensatz zu unseren Augen auch bei wenig Licht Farben perfekt aufzeichnen. Und um Polarlichter
fotografieren zu können, wird noch nicht einmal ein teure Kameraausrüstung benötigt. Für den Anfang reichen schon die meisten Einsteigerkameras oder Smartphones völlig aus. Viel wichtiger als die Kamera ist bei der Polarlichtfotografie nämlich etwas ganz anderes......
ist oder bei welcher maximalen Empfindlichkeit unsere Kamera noch brauchbare und nicht zu verrauschte Bilder liefert, müssen wir Polarlichter
verhältnismäßig lang belichten. Abhängig von der verwendeten Ausrüstung
dauert so eine Belichtung
von knapp unter einer Sekunde bis hin zu einer halben Minute oder länger. Dass es nahezu unmöglich ist, eine Kamera oder auch ein Smartphone so lange ruhig in der Hand zu halten, versteht sich von selbst. Ein Stativ ist für die Polarlichtfotografie also nahezu unabdingbar. Hier muss es auch kein teures Profistativ sein, die meisten Einsteigerstative reichen meist völlig aus. Trotzdem gilt natürlich, je stabiler das Stativ ist, desto weniger anfällig ist es für Wind oder andere Erschütterungen.
Stative sind ideal, um scharfe, verwacklungsfreie Bilder bei langen Belichtungszeiten zu erhalten. Zudem helfen sie bei einer kreativen Bildgestaltung und dem manuellen Fokussieren auf die Sterne
zu fotografieren, muss man nicht zwingend die aktuellste und rauschärmste Kamera oder das teuerste und lichtstärkste Objektiv
besitzen. Selbst mit älteren digitalen Spiegelreflexkameras und günstigen Kitobjektiven gelingen wunderschöne Aufnahmen von Polarlichtern
. Vereinfacht kann man sagen, dass ältere Kameras bei höheren ISO-Empfindlichkeiten mehr Rauschen, und dadurch häufig bei niedrigeren ISO-Empfindlichkeiten bis ISO
800 oder maximal ISO1600 fotografiert werden muss, daraus resultieren dann längere Belichtungszeiten. Auch bei günstigen, lichtschwachen Objektiven
muss entweder länger belichtet oder an der Kamera eine höhere Empfindlichkeit eingestellt werden.
arbeiten, werden die Belichtungszeiten unter Umständen so lang, dass wir mit "kleineren" Einschränkungen leben müssen, bspw. die Bildung von Sternspuren oder sehr weich wirkende, kaum abgegrenzte Polarlichter
.
Diese Aufnahme wurde bei ISO1600 und einer Blende
von f/5,6 aufgenommen, was ungefähr dem Szenario entspricht, wenn man mit einer rauschanfälligen Kamera und einem lichtschwachen Objektiv
fotografiert. Als Belichtungszeit
musste eine Minute (also 60s) gewählt werden. Hier kommt es dann schon zu deutlichen Sternspuren, welche aber bei einer sehr kleinen Ansicht wie hier aber kaum auffallen.
Im 100%-Auschnitt derselben Aufnahme werden die Sternspuren dann aber schon sehr deutlich sichtbar, auch bei großformatigen Ausdrucken ist dies der Fall. Meines Erachtens gibt es aber Schlimmeres, zum Beispiel die Polarlichter
gar nicht zu fotografieren ;-)
Während dieser Aufnahme scheine ich zudem gegen das Stativ gekommen zu sein, denn in den Sternspuren ist ein kleiner Wackler in Form ganz leichten Knickes sichtbar.
.
belichten soll. Wir überlassen an der Kamera also nichts dem Zufall und wechseln in den manuellen (M) oder (B) Modus. Da Polarlichter
vor allem in unseren Breiten recht schwach ausfallen, wollen wir möglichst viel Licht durch das Objektiv
auf den Sensor fallen lassen. Um dies zu erreichen, öffnen wir die Blende
. Für die, welche neu in der Fotografie sind : Eine große oder offene Blende
entspricht einer kleinen Zahl, eine geschlossene oder kleine Blende
entspricht einer großen Zahl.
mit einer sehr großen Offenblende
hat wie bspw. f1.4 hat, aber genau weiß, dass das Objektiv
erst bei einer Blende
von f1.8 so richtig scharf abbildet, der sollte hier abwägen, ob es vielleicht doch besser ist, leicht abzublenden auf f 1.8 oder f2.0.
der Kamera möglichst hoch ein. Auch hier muss abgewägt werden. Wie stark ist das Bildrauschen meiner Kamera bei höheren ISO-Einstellungen
? Wo ist meine Persönlich Grenze? Habe ich gute Software, um das Bildrauschen nachträglich zu entfernen? Bei ISO1600 sollten die meisten Kameras noch gute Ergebnisse liefern, weshalb ich dies als Ausgangswert für die empfehlen würde, die ihre Kamera noch nicht so gut kennen.
hängt nun von den beiden bisher getätigten Einstellungen ab. Bei einer Blende
von beispielsweise 2.8 und einer ISO
von 1600 würde ich so mit ca 14 - 18 Sekunden anfangen (bei Polarlichtern
in unseren Breiten, am Polarkreis kann ich meist deutlich kürzer belichten). Aber auch dies hängt ein wenig vom Objektiv
und der Kamera ab. Wenn ich nun merke, dass die Kamera bei ISO1600 noch nahezu gar kein Bildrauschen fabriziert, kann ich den ISO Wert
erhöhen. Bei einer Verdopplung der ISO-Empfindlichkeit
muss die
Belichtungszeit
halbiert werden, um zu einem Bild mit gleicher Helligkeit zu kommen. Bei ISO
3200 werden aus den 18 Sekunden Belichtung
dann 9 Sekunden. Bei 9 Sekunden hat man bspw. kaum noch sichtbare Sternspuren bei Weitwinkelobjektiven. Verdopple ich den ISO Wert
weiter auf 6400, dann brauche ich nur noch 4,5 oder 4 Sekunden belichten. Hier lassen sich sogar schon schnellere Polarlichter
und Beamer relativ konturreich einfangen.
verhält es sich etwas anders. Eine Verdopplung des Blendenwertes lässt nur noch 1/4 des ursprünglichen Lichtes durch das Objektiv
. Es muss also 4x solange belichtet werden. Nehmen wir als Beispiel mal wieder die ca. 18 Sekunden Belichtung
bei ISO1600 und einer Blende
von f2.8. Blende
ich jetzt ab (schließe also die Blende
) auf f5.6, so
muss ich jetzt anstatt 18 Sekunden schon 72 Sekunden belichten. Ein deutlicher Unterschied, auch was die Aufzeichnung von Sternenspuren angeht, denn in 72 Sekunden bewegt sich schon recht viel am Firmament. Eine lichtstarkes Objektiv
bringt also meist mehr Gewinn als eine neuere Kamera, falls irgendwann mal ein Upgrade der Ausrüstung
anstehen sollte ;-)
Polarlichter
an der Flensburger Förde
, aufgenommen mit der Canon EOS R5
und dem RF 15-35mm f2,8 bei Blende
4. Bewusst habe ich hier leicht abgeblendet
, um auch den Stein im Vordergrund noch scharf abbilden zu können. Eine Belichtungszeit
von 10 Sekunden lässt die Wellen im Vordergrund weich werden, wodurch sich die Steine im Wasser gut absetzen und die Reflektionen der Polarlichter
besser zur Geltung kommen. Bei 10 Sekunden Belichtungszeit
gibt es zudem noch keine "gravierenden" Sternspuren.
, Blende
und auch ISO-Empfindlichkeit
einigermaßen beherrscht. Falls das noch nicht der Fall ist, schaut Euch gerne einmal in meinem Anfängerkurs Fotografie
um. Dort erkläre ich alles noch ein wenig genauer.
so hoch einstellen, wie die Kamera es noch einigermaßen rauschfrei erlaubt (bei meinen APS-C Kameras
meist ISO1600, bei meinen Vollformatkameras
meist ISO
3200 manchmal auch noch mehr) . Blende
so weit wie möglich öffnen. Danach dann die Belichtungszeit
wählen.
2,8, 16 Sekunden belichten. Hab ich nur ein Kitobjektiv mit Anfangsblende 4 , dann entsprechend bei Blende
4 für 32 Sekunden belichten.
Das Verhältnis Blende
ISO
Verschlusszeit
so grob im Kopf haben, um Werte entsprechend anzupassen. Immer im M -Modus fotografieren, um die genannten Parameter alle selbst einstellen zu können. Manche Kameras haben einen BulB-Modus. Hier wird dann solange belichtet, wie der Auslöser gedrückt wird. Nutze ich persönlich auch häufig.
) speichert die Kamera alle Daten, die der Sensor ihr liefert, das JPEG Format hingegen enthält deutlich weniger Bildinformationen und ist durch die Kamera schon für die Ansicht vorverarbeitet. Weißabgleich, Belichtungsanpassung sowie Bildstil können nachträglich nicht mehr geändert werden. Zudem werden die Bilder kameraintern entrauscht. Dies können externe Programme mit RAW-Dateien um ein Vielfaches besser.
aufzeichnen. So sind falsch belichtete Aufnahmen (kommt in der Polarlichtfotografie häufig vor), Aufnahmen mit unpassendem Weißabgleich oder aber auch verrauschte Bilder nicht zwangsläufig verloren, sondern können nachträglich korrigiert werden. Auch die Polarlichter
selbst können später viel besser herausgearbeitet werden. Wer sich nicht an die RAW-Bearbeitung
herantraut, dem empfehle ich trotzdem zusätzlich zum JPEG auch in RAW
aufzuzeichnen. Vielleicht kommt ja zu einem späteren Zeitpunkt der Wunsch, sich mehr mit Bildbearbeitung
zu befassen.
kommen, verschwinden sie nämlich manchmal auch wieder.
fotografiert. Die Kamera wird dann wie bei einem Kabelauslöser verwacklungsfrei ausgelöst und das Bildergebnis kann je nach App dann auf dem Smartphone begutachtet werden. Auch Blende
, ISO
und Belichtungszeit
lassen sich häufig über die App kontrollieren.
und Entrauschen
begonnen
wird, sollte das Bild zunächst entrauscht werden. Hierzu gibt es verschiedene Programme, ich selber verwende je nach Verwendungszweck entweder DXO Pure Raw
oder die KI-gestützte Entrauschung von Adobe Camera Raw. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Adobe kommt sehr gut mit Astroaufnahmen klar, liefert bei mir bei der Entwicklung mehrerer Aufnahmen allerdings gelegentlich leichte Helligkeitsunterschiede, was für Zeitraffer manchmal etwas störend wirken kann (Stand 2025). DXO Pure Raw
versucht Details zu erzwingen und erzeugt etwas mehr Schlieren und Artefakte in den dunklen Bereichen zwischen den Sternen ( Stand 2025 ). Hier ist etwas Feintuning notwendig. Letztendlich entrausche ich Bilder, mit welchen ich Timelapses machen möchte, mit DXO Pure Raw
und Bilder , welche ich groß ausdrucken möchte, mit Adobe Camera RAW
( Lightroom oder Photoshop ).
. Bei Polarlichtaufnahmen muss häufig die Sättigung leicht erhöht werden, auch ein Anpassen der Gradiationskurve kann nötig sein. Wie immer spielt der persönliche Geschmack hier eine große Rolle, Vordergrund und Himmel müssen über Masken meist separat angepasst werden. Hierzu gibt es eine Vielzahl an Videos im Netz, die das Prozedere sehr gut erklären (besser als ich es je könnte). Einfach einmal nach Polarlichtern
und Bildbearbeitung
suchen....
- Polarlicht-Apps nutzen