Ende August 2019 hat
Canon die
Canon EOS 90D als Nachfolger der
Canon EOS 80D ins Rennen geschickt. Mit 33 MP ist sie derzeit die
auflösungsstärkste
APS-C DSLR. Ob die
Canon EOS 90 D den Weg in meinen Kamerarucksack finden wird oder nicht, was für und was
gegen die
Canon EOS 90D spricht, dazu gleich mehr. Kommen wir zunächst einmal zu den technischen Daten.
Technische Daten zur Canon EOS 90D
Mit 33 Megapixeln (32,5 MP, Sensorgröße 22.3 x 14.9 mm) ist die Canon EOS 90D eine der auflösungsstärksten DSLR mit
APS-C Sensor. Sie liefert Bilder mit bis zu
6960x4640 Pixeln. Dank des verbauten
Digic 8 Prozessors sind mit der Canon EOS 90D 11 Bilder pro Sekunde im spiegellosen LiveView Betrieb bei Single AF und 7 Bilder pro Sekunde im spiegellosen LiveView bei Servo-AF möglich. Im Sucherbetrieb schafft die Kamera in beiden AF-Modi 10 Bilder in der Sekunde. Durch einen neu entwickelten Messsensor ist mit der Kamera jetzt auch
eine Gesichtserkennung im Sucherbetrieb möglich. Wie auch schon die
Canon EOS 80D bietet auch die
Canon EOS 90D einen
Dual Pixel AF im LiveView, so dass der
Autofokus im LiveView ebenfalls sehr zügig arbeitet und eine akkurate Motivverfolgung möglich macht.
Im Sucherbetrieb bietet die EOS 90D 45
AF Messfelder, welche alle als Kreuzsensoren ausgelegt sind und von denen 27 bis zu einer
Offenblende von F8 arbeiten.
Es sind
Verschlusszeiten von 1/8000s im Spiegelbetrieb und sage und schreibe bis zu 1/16000s im spiegellosen Betrieb mit elektronischem Verschluss möglich. Der optische Sucher bietet eine
Bildfeldabdeckung von 100% und eine Vergrößerung von 0,95. Bei einer Größe von 141mm x 105mm x 77 mm wiegt die Kamera 701g.
Die
ISO-Empfindlichkeit lässt sich zwischen 100 und 25600 einstellen, im erweiterten Modus bis
ISO 51200, wobei die Bilder bei
ISO 51200 nicht mehr wirklich brauchbar sind.
Weitere technische Daten könnt Ihr auf der
Canon Website einsehen.
Der Autofokus der Canon EOS 90D im Sucherbetrieb
Da ich die
Canon EOS 90D nur einen Tag zur Verfügung hatte, veröffentliche ich diesen Artikel nicht als Testbericht, sondern als eine Art erste
Einschätzung. Was mir aber in dieser Zeit am AF - zumindest am AF "meiner" 90D - aufgefallen ist, ist, dass der AF im Sucherbetrieb sehr häufig nicht 100%ig
saß. Gerade bei der hohen Bildauflösung der
Canon EOS 90D kommt es aber auf einen perfekt sitzenden Autofokus an, ansonsten bringt die Auflösung
keinen wirklichen Mehrwert. Die AF Schwäche fällt schon geringfügig im Einzel-AF auf, im Servo-AF tritt dies aber noch deutlicher zu Tage. Die meisten Bilder
wirken nicht nicht auf den Punkt genau fokussiert.
Die Gesichtserkennung im Sucherbetrieb funktioniert gut, was die Erkennung von Gesichtern angeht. Aber auch hier liegt der Fokus gerne etwas daneben.
Ich werde versuchen, noch ein zweites Testmodell zu erhalten, um heraus zu finden, ob meine Kamera einfach nur dejustiert war, und die 90D normalerweise zuverlässiger arbeitet.
Der Autofokus der Canon EOS 90D im LiveView
So unzuverlässig der AF auch im Sucherbetrieb sein mag, im LiveView ist er wirklich ausgeprochen treffsicher und schnell. Fehlfokussierungen kamen im
Einzel-AF Modus kaum vor, und auch im Servo-AF waren nur wenige Ausreißer vorhanden. In der Regel saß der Fokus auch hier punktgenau.
Durch über
5000 AF-Punkte, welche bis an den Bildrand zu finden sind, lässt sich der Fokus auf den Millimeter genau setzen.
Besonders bei
Makroaufnahmen hat sich der sehr präzise LiveView AF bewährt. Für Sportaufnahmen (bspw. Mitzieher) oder Actionszenen in
der Naturfotografie brauche ich aber neben einem perfekten LiveView AF unbedingt einen zuverlässigen AF im Sucherbetrieb. Da kann der
AF im LiveView noch so gut sein, für Action ist mir die Fotografie über den Monitor einfach nicht komfortabel genug. Die Kamera muss dafür am Auge "kleben", nur so kann
ich das Motiv perfekt verfolgen.
Die Bildqualität der Canon EOS 90D
Liest man sich so durch die vielen Testberichte im Netz, so wird die Bildqualität der Canon EOS 90D fast überall gelobt. Ich kann mich dem leider nicht uneingeschränkt anschließen. Besonders
was die JPG-Qualität out of Cam angeht, fällt auf, dass die Bilder nur wenig detailreich sind und schon ab
ISO 400 deutlich verschmiert wirken. Die kamerainterne Rauschunterdrückung
greift hier meines Erachtens viel zu stark ein. Die Farben der JPGs sind allerdings authentisch und genau nach meinem Geschmack.
Betrachtet man die RAW-Dateien der Canon EOS 90D, so erkennt man auch den Grund für die verschmierten JPG-Bilder. Das Rauschen der Canon EOS 90D ist schon bei ISO100
sichtbar und steigt bei Erhöhung der Empfindlichkeit sehr schnell an. Aus meiner Sicht ein hoher Preis für die paar Pixel mehr in Höhe und Breite. Ob
man nun ein Bild mit 24 Megapixeln mit 300dpi in einer Größe von 50,8cmx33,8cm druckt, oder das 33MP Bild der 90D mit 300dpi auf 58,9x39,3. Der Unterschied ist minimal. Das Bild der 90D aber stärker entrauscht werden muss, wird es unter Umständen sogar noch detailärmer erscheinen, als die Bilder der 24MP-Kameras.
Immerhin der Dynamikumfang scheint recht ordentlich zu sein, wenn man den Angaben in den Fotofachzeitschriften glauben kann. Ob und wie stark sich das
eh schon auffällige Rauschen bei der Aufhellung von Schattenbereichen in RAW-Bilern bemerkbar macht, konnte ich in der kurzen Zeit leider nicht feststellen. Wie gesagt, wenn ich die Kamera in der nächsten Zeit noch einmal für etwas längere Zeit zur Verfügung habe, werde
ich nochmals einen ausführlicheren Testbericht schreiben.
Was ich mir mir von einer
Canon EOS 90D gewünscht hätte, wäre ein Grundrauschen auf Augenhöhe mit den 24 MP Modellen von
Nikon und Sony, bei gleichwertigem Dynamikumfang – und am besten ohne Tiefpassfilter. 24 Megapixel
hätten mir dabei vollkommen ausgereicht, denn mehr Pixel braucht ein solch kleiner Sensor nicht. Bei Pixeln setze ich lieber auf Qualität anstatt Quantität...
Fokus-Bracketing - erstmals in einer APS-C DSLR bei Canon
Darauf dürften viele Makrofotografen schon lange gewartet haben. Eine
APS-C DSLR mit einer
Fokus-Bracketing Funktion. Die
Canon EOS 90D bietet
jetzt (ich glaube sogar als erste
APS-C DSLR überhaupt) die Möglichkeit, von ein
und demselben Motiv eine Aufnahmeserie mit verlagertem Fokus zu machen. Die Aufnahmen können dann später mit der
Canon Software am PC zu einem Bild mit erweiteter
Schärfentiefe verrechnet werden.
Aus knapp 70 Aufnahmen wurde dieses Bild eines Fliegenpilzes gestackt. Als Einzelbild
wäre nur ein sehr kleiner Teil des Pilzes scharf. Der Fokus-Stack erlaubt eine Schärfe vom vorderen Hutrand bis
zum hinteren Hutrand des Pilzes.
Vor einigen Jahren musste man, wenn man einen
Fokusstack erstellen wollte, die Schärfe noch mühsam von Hand verlagern, meist mit Hilfe
eines
Makroschlittens. Für das, was die Kamera jetzt innerhalb weniger Sekunden schafft, brauchte man damals noch viele Minuten.
Wenn ich mir die
Canon EOS 90D kaufen würde, dann aufgrund dieser Funktion...
Die Bedienung und Haptik der Canon EOS 90D
Wie auch schon die
Canon EOS 80D liegt auch die
Canon EOS 90D sehr gut in der Hand. Für Käufer, welche schon vorher mit
Canon gearbeitet haben,
wird die Umstellung kein Problem sein. Die Menüs sind übersichtlich gestaltet, alle Buttons sind logisch platziert. Alle... bis auf einen. Der
Ein/Aus Schalter befindet sich auf der linken Seite. Somit ist die Kamera für mich nicht einhändisch bedienbar. Für viele mag das keine
Rolle spielen, ich hingegen finde es schon etwas ärgerlich. Schon bei der
Canon EOS RP, welche ich momentan recht häufig verwende, empfinde ich
die Positionierung des Ein/Aus Schalters auf der linken Kameraschulter als Fehlkonstruktion. Ansonsten gibt es nichts an der Haptik und der Bedienung
zu bemängeln. Ein kleiner Joystick ermöglicht es, den AF-Punkt während des Fotografierens schnell korrekt zu positionieren oder aber auch schnell
durch die Menüs zu navigieren. Der Touchscreen reagiert zügig und tadellos. Er hilft deutlich, die Kamera noch schneller zu bedienen.
Fazit
Mit der
Canon EOS 90D hat
Canon eine robuste
APS-C DSLR auf den Markt gebracht. Momentan (Stand Oktober 2019) ist sie mit knapp 33 Megapixeln eine der
am höchsten auflösenden
APS-C DSLR auf dem Markt. Eine solch hohe Auflösung verlangt einen exakten Autofokus. Im Sucherbetrieb
zeigt genau dieser aber leider Schwächen, im LiveView hingegen ist er sehr zügig und akkurat .An der Bedienung gibt es bis auf den auf der linken
Kameraschulter positionierten Ein/Aus Schalter nichts zu bemängeln. Die Bildqualität ist gut aber bzgl. des Rauschverhalten nicht überragend.
Wie auch schon die
Canon EOS RP bietet auch die
Canon EOS 90D eine Fokus-Bracketing-Funktion,
Fokus-Stacks sind also kein Problem mehr. Für ambitionierte Makrofotografen geht
damit ein Traum in Erfüllung.
Mit einem Preis von derzeit
1286,99 € ist sie
immer noch etwas günstiger als die schon leicht betagte
Nikon D500,
Nikons aktuelles
APS-C DSLR Vorzeigemodell.
Alles in Allem ist die
Canon EOS 90D eine sehr gute, empfehlenswerte Kamera mit leichten Schwächen in der Bildqualität und beim Autofokus.
Artikel erschienen am 14.10.2019